Out Of This World 5

Science Fiction, Utopie, Politik und PopKultur

05.-08.10.2006

www.out-of-this-world.org, last update, 21-Sep-2006 (c) Bremen, Germany

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veranstaltet von IntKom e.V. - Verein für Internationalismus und Kommunikation

Die Evakuierung beginnt leise. Vorne sind wir noch da, hinten schon weg. Die Operation vollzieht sich auf dem Feld des Halbbewussten: zwischen Kometen der Sehnsucht, Planeten des Begehrens, zwischen den auf- und untergehenden Sonnen der Utopien; stets instabil. Die Operation ist konkret. Maschinen werden gebaut, Kurse gesetzt, Routinen programmiert, Bruchstellen in die Routinen eingebaut. Niemand weiß, wann genau die Doppelgesichtigkeit aufhört, und für wie lange. Hinten wandern wir aus, nach vorne machen wir weiter: Wie wenn nichts wäre. Aber so läuft es ab, es ist immer so. Irgendein Morgen ist es dann, einer der üblichen Appelle, zu denen das System antreten lässt, wo es sich plötzlich nicht mehr verheimlichen lässt. Alle haben sich aufgestellt, aber eigentlich ist niemand mehr da. Es gibt noch physische Anwesenheit, aber im wesentlichen sind wir weg. Wir kooperieren woanders. Schwer zu sagen, was dann passiert. Schwer zu sagen, ob es schon passiert ist.

Out of this world wirft seit 6 Jahren Kultur und Politik, Utopien und Pop locker zusammen und behandelt sie als Evakuierungswissenschaft. Kulturelle Produkte: Filme, Musik, Romane, sind Raumschiffe auf dem Weg nach draußen - manche. Andere sind Schlachtschiffe, die die Grenze dessen patrouillieren, was als normal und möglich zu gelten hat. Die meisten sind beides gleichzeitig. Sie sind so wie wir: vorne noch da, hinten schon weg. Unzuverlässig. Systematisch unzuverlässig. Jede Wissenschaft, die anderes von sich behauptet, kann man nicht ernst nehmen.

Arbeit und Utopie ist einer der roten Fäden, die sich diesmal durch den Kongress ziehen. Joachim Zelter liest aus seinem utopischem Roman „Die Schule der Arbeitslosen“, einer beißenden Satire auf Hartz IV und die Therapierung zur Arbeit. Claudia Bernhard und Margareta Steinrücke konfrontieren Science Fiction-Bilder von Arbeit mit den aktuellen Fragen von Subjektivität und Souveränität in der Arbeit. Michael Albert (Z-Net, USA) stellt sein Konzept der „Parecon“ vor, der partizipativen Ökonomie - einen der aktuell meistdiskutierten Entwürfe für ein Arbeiten und Produzieren jenseits des Kapitalismus und der hierarchischen Staatswirtschaft.

Die anderen roten Fäden gilt es heraus zu finden, der Bogen ist weit. Utopien in der zeitgenössischen Kunst (Julia Tieke) treffen auf Science Fiction-Serien (Franke-Penski, Wiene, Moldenhauer), Zukunftsbilder in der Pop-Musik (Doris Achelwilm) auf Alternativsprachen in der SF-Literatur (Jakob Schmidt). Die Hortgruppe der Kita Friedrich-Gauß-Straße stellt ihre „Zukunftsmaschinen“ aus, die aus Schrottteilen gebaut werden, und bietet eine Film-Matinee an. Ab halb elf abends geht es im „Nachtclub“ betont informell und sofa-mäßig zur Sache: auf kurze Inputs, die noch ofenwarm aus der theoretischen oder praktischen Produktion kommen, folgt gemeinsames Filme-Kucken und Diskutieren.

Wer zu spät kommt, den bestraft auch bei ootw das Leben. Immerhin gibt es beim Space Quiz zur Eröffnung auch was zu gewinnen. Aber was es alles zu gewinnen gibt an vier Tagen zwischen Filmen, Musik, Lesungen, Interpretationen, Unbekanntem und Blockbustern: das lässt sich vorab sowieso schwer sagen. Evakuierungsgut, vermutlich. Was man so braucht.

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